ADHS oder Indigo?
Kürzlich bin ich auf dieses Thema gestoßen und findes es eigentlich sehr interessant. Ich möchte es gern ein wenig aufschlüsseln und dann kann sich jeder seine eigene Meinung bilden.
Was bedeutet eigentlich “Indigo”:
1982 schrieb Nancy Ann Tappe ein Buch „Understanding Your Life Through Color“, ind em sie behauptet, menschliche Aura wahrzunehmen und seit den 70ern habe sie eine Zunahme von Neugeborenen mit „indigofarbener Aura“ festgestellt. Indigo entspricht einem tiefen Blauton zwischen der Grundfarbe Blau und der Mischfarbe Violett. Seit 2000 kursiert der Begriff immer mehr in Europa, aber vor allem in den esoterischen und spirituellen Kreisen.
Charakterzüge und Wesensmerkmale von Indigo-Kindern:
Auf der Seite von Elke Wimmen befinden sich Merkmale, die diese Kinder beschreiben, ein paar stelle ich hier mal zusammen:
- Sie kommen mit dem Gefühl königliche Hoheiten zu sein auf die Welt (und verhalten sich auch dementsprechend).
- hohes Selbstwertgefühl
- Sie haben Probleme mit absoluter Autorität (Autorität ohne Erklärung oder Wahlmöglichkeit).
- Sie tun bestimmte Dinge partout nicht, so zum Beispiel fällt es ihnen schwer, Schlange zu stehen.
- Sie werden frustriert, wenn Systeme ritualorientiert sind und kein kreatives Denken erfordert.
- Sie sehen oft bessere Möglichkeiten, wie man etwas angehen oder tun könnte, ob zu Hause oder in der Schule, und so werden sie oft als Kinder gesehen, die gegen bestehende Systeme rebellieren.
- Sie wirken unsozial, es sei denn sie bewegen sich unter ihres Gleichen. Sind keine anderen in ihrem Umfeld, dessen Bewusstsein ähnlich strukturiert ist, so verkriechen sie sich oft in sich selbst und haben das Gefühl, von niemanden verstanden zu werden. Schule ist für sie sozial gesehen oft außerordentlich schwierig.
- Sie sprechen nicht auf “Disziplin aus Schuldgefühlen” an.
- inneres Gewahrsein über die Wahrheit des Lebens
- leben nach höheren Prinzipien
- sie wissen, dass mehr existiert, als das, was wir sehen
- sie glauben, dass die Materie und das physische Leben Illusionen sind
- sie wissen, dass das Leben aus Energie oder lebendigem Bewusstsein besteht
- sie wissen, dass alles im Universum miteinander verbunden ist
- Zeit, Raum, Form sind für sie keine getrennten Dinge, so wie wir es sehen
- sie spüren, dass alles Leben geachtet und mit Integrität, Liebe und Mitgefühl behandelt werden sollte
- sie verstehen spirituelle Konzepte besser als physische
- sie lassen sich nicht eingrenzen durch überaltete Ideale oder Glaubenssätze
- sie akzeptieren keine Führung von Menschen, die nicht die gleichen ethischen Ansichten haben wie sie selbst
- sogar sozialer Druck zwingt sie nicht zur Unterordnung
- sie müssen ihr Leben nach den höchsten Prinzipien orientiert leben können, so wie sie es verstehen, ansonsten können sie leicht depressiv und ängstlich werden
- sie sind ehrlich, aufrichtig und unabhängig
- sie haben oft kein richtiges Körpergefühl
- ihre fünf Sinne sind sehr verfeinert, dadurch können sie leicht überreizt und überfordert werden
- sie sind überempfindlich Nahrung gegenüber
- sie kommunizieren mit Tieren, Pflanzen, anderen Kindern und der Natur
- man erlebt sie oft, wenn sie mit “unsichtbaren” Freunden sprechen, deshalb werden sie oft als Kinder mit einer zu lebendigen Phantasie eingestuft oder sogar als psychisch auffällig
Bei Indigokindern würden von Ärzten häufig fälschlicherweise kinder- und jugendpsychiatrische Störungen wie beispielsweise eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostiziert. Anhänger dieser Idee empfehlen daher Eltern, auch entgegen ärztlichem Rat auf eine schulmedizinische Behandlung dieser Störung zu verzichten (Wikipedia).
Wenn man sich das durchliest, könnte man meinen, dass es tatsächlich Parallelen zwischen den Charakterzügen der Indigokindern und den ADHS-Kindern gibt. Es wird sogar davon gesprochen, dass Indigo-Kinder nicht unnormal oder schwierig sind, sondern besonders, die eine Herausforderung beanspruchen.
Genauso besonders seien auch ADHS-Kinder, die auch besondere Anforderungen und Herausforderungen an die Umwelt stellen.
Jedoh kritisiert der amerikanische Psychiater Russell Barkley, dass das Konzept der Indigo-Kinder durch keine wissenschaftlichen Studien gestützt wird. Viele der beschriebenen Verhaltensweisen seien so allgemein beschrieben, dass sie auf die meisten Menschen zuträfen.
Die Theologen Andreas Fincke und Matthias Pöhlmann sehen in dem Konzept der Indigo-Kinder darin die Gefahr, dass den von einer ADHS betroffenen Kindern medizinische Hilfe vorenthalten werden könnte.
Wenn Sie sich das durchlesen, dann besteht sicher Dikussionsbedarf, offensichtlich ist allerdings, dass auffällige Kinder, die besondere Anforderung an die Umwelt stellen, in esoterischen Kreisen, Indigo-Kinder sind. In anderen Kreisen sind es die ADHS-Kinder und wiederrum in anderen Kreisen, sind die Kinder für die Eltern normal. Ich glaube, das wird einfach eine Ansichts- und Glaubenssache sein. Aber in jedem Fall, sollte eine medizinische Abtestung durchgeführt werden und nicht vorenthalten werden. Denn ADHS kann abgetestet werden, aber dem Konzept der Indigo-Kinder liegen noch keine wissenschaftlichen Untersuchen oder statistisch fundierten Informationen vor.
Hui, schwierig…
Jetzt hab ich mich mal durch meine Unterlagen und die Diagnosekriterien nach ICD-10 (http://www.dimdi.de/static/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlgm2004/fr-icd.htm) gewühlt, ich finde allerdings kaum Parallelen zu den Indigo-Formulierungen.
ICD-10-Zitat: “…einen Mangel an Ausdauer bei Beschäftigungen, die kognitiven Einsatz verlangen, und eine Tendenz, von einer Tätigkeit zu einer anderen zu wechseln, ohne etwas zu Ende zu bringen; hinzu kommt eine desorganisierte, mangelhaft regulierte und überschießende Aktivität. Verschiedene andere Auffälligkeiten können zusätzlich vorliegen. Hyperkinetische Kinder sind oft achtlos und impulsiv, neigen zu Unfällen und werden oft bestraft, weil sie eher aus Unachtsamkeit als vorsätzlich Regeln verletzen. Ihre Beziehung zu Erwachsenen ist oft von einer Distanzstörung und einem Mangel an normaler Vorsicht und Zurückhaltung geprägt. Bei anderen Kindern sind sie unbeliebt und können isoliert sein. Beeinträchtigung kognitiver Funktionen ist häufig, spezifische Verzögerungen der motorischen und sprachlichen Entwicklung kommen überproportional oft vor. Sekundäre Komplikationen sind dissoziales Verhalten und niedriges Selbstwertgefühl.”
Interessant finde ich den Widerspruch von hohem (Wimmen) und niedrigem (ICD 10) Selbstwertgefühl, mir fehlt bis jetzt allerdings die praktische Erfahrung-Pädiatrie steht noch an.
Generell finde ich allerdings die Indigo-Formulierungen, die Kindern ein intuitives Wissen über frei postulierte, spirituelle Zusammenhänge attestiert (Ratio, anyone?) sehr fragwürdig, allerdings betrachte ich mich eher als wissenschaftlich orientierten Menschen, deshalb bin ich auch keineswegs verwundert, dass keine der postulierten Fakten mit irgendwelchen Tatsachen untermauert werden.
Nichtsdestotrotz interessant, wie stehst du selbst zu der Thematik? Das kommt für mich in dem Artikel nicht so raus…
Danke, für deinen ausführlichen Beitrag dazu, super!
Stimmt, in manchen Punkten gehen die Parallelen auseinander, wie zB. das gesteigerte/ verminderte Selbstwertgefühl, aber in manchen Punkten treffen sie sich wieder, wie zB. haben Schulschwierigkeiten, werden von anderen als dissozial wahrgenommen und haben einen hohen Intelligenzquotienten (Wikipedia).
Ich selbst bin ebenso ein wissenschftlich orientierter Mensch und halte mich auch an Fakten. Ich habe sowohl ADHS-Kinder, als auch Indigo-Kinder kennenlernen können und weiss daher, dass es Unterschiede, aber auch Parallelen gibt. Auffallend ist auch bei den Indigo-Kindern (und das schon im jungen Kindesalter), das Wissen, zu Höherem bestimmt zu sein; das unterscheidet sich von ADHS-Kindern auch. Aber was ist, wenn diese Kinder, die hochsensibel auf ihre Umwelt/ Umfeld reagieren, Dinge wahrnehmen oder spüren, was ich nicht wahrnehme oder spüre.
Doch, wie auch schon im Beitrag geschrieben, sollten auch esoterische Eltern, die bei ihrem Kind ein Indigo-Kind vermuten, die Problematik abtesten zu lassen (auch wenn das für die Eltern sich nicht als Problematik stellt, sondern eine neue Aufgabe, eine Herausforderung) und auch nicht die Hilfsangebote/ Therapien ganz ablehnen.
Hmm, ok, mit dem Rat der Austestung gehe ich 100%ig konform, du schreibst du konntest Indigo-Kinder kennenlernen, woran machst du fest ob ein Kind “indigo” ist, gibt’s da Kriterien abseits der bereits erwähnten (die ja eher schwammig formuliert sind) oder verlässt du dich da auf dein Bauchgefühl?
Ich habe mich gestern noch ein bisschen in Foren herumgetrieben, aber da gibt es ja ganz tiefe Gräben und eine Menge Fanatismus. Der ganze reinkarnationstheoretische Hintergund ist mir persönlich ja eher suspekt, aber ein paar Wortmeldungen gab’s da schon - v.a. wahrnehmungstechnisch - die mich schon ein bisschen nachdenklich stimmen…
Ich konnte zwei (unabhängig voneinander, kennen sich beide nicht) Indigo-”Kinder” (mittlerweile schon erwachsen) durch meinen Bekanntenkreis kennenlernen. auf beide treffen die Kriterien zu, auffällig das starke Selbstwertgefühl, das Wissen nach etwas Höherem, geschärfte, ausgeprägte oder erhöhte Wahrnehmung, haben besondere Talente/ Begabungen/ Fähigkeiten, sind beide sehr intelligent, aber durch Begabung vielerlei Dinge, fällt es ihnen schwer, sich auf eines zu konzentrieren oder bei einem zu bleiben; sind oft sehr unruhig (es wirkt dann eher flatterhaft). Die Parallelen sind bei beiden sehr gleich und ich würde diese Charakterzüge nicht mit ADHS vergleichen.
Dadurch, dass ich seit kurzem erst den Begriff “Indigo” kenne und ich mich mehr damit befasst habe, fiel mir sofort eine Bekannte ein, auf die das genau zutrifft und der anderen Bekannten bin ich erst vor kurzem begegnet, nachdem ich “Indigo” schon kannte. Beide jedoch sprechen jedoch nicht explizit darüber “Indigo” zu sein. Ich habe mir nur selbst die Frage gestellt, ob sie nicht in die Richtung tendieren oder es sogar sind. Sie selbst würden es wissen.
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