Ergo Tipps

Tipps und Informationen rund um die Ergotherapie

Apr-2-09

Verweigerungen - was tun?

posted by Christin


Kennen Sie das, wenns zu schwierig wird, verweigert sich Ihr Kind zu Hause oder in der Ergotherapie? Sobald Ihr Kind erkennt oder merkt, die Aufgabe wird zu schwierig, die Möglichkeit könnte bestehen, dass Ihr Kind verliert bei einem Spiel, ist es erstmal frustriert, dann gibt es womöglich auf und als nächstes, wenns ganz schlimm wird, verweigert es - dann kommt man gar nicht mehr ans Kind heran. Das schreibt auch die ChaosMama, deren Tochter sich regelmäßig in der Therapie verweigert und viel schreit. Jedoch hat man in dem Moment schon verloren. Beobachten Sie, warum es verweigert, was ist eventuell vorher passiert, verweigert es immer in gleichen Situationen oder verweigert das Kind immer und überall?  Ich habe mal die Kinder während der Ergotherapie beobachtet, was mit ihnen passiert, wenn sie in den unterschiedlichen Gefühlen stecken:

  1. frustriert: das Kind verzieht Mund und Augen, fängt an zu nörgeln, versucht das Spiel abzubrechen, indem es sagt, dass es keine Lust mehr hat, langweilig ist (wie die Tochter von ChaosMama), wägt hier noch innerlich ab, ob es weitermacht oder abbricht
  2. gibt auf: es hat sich entschieden abbzubrechen, aufzuhören mit der Aufgabe, verschränkt die Arme vor dem Körper, setzt sich zurück, streikt, schaut an einem vorbei, schüttelt den Kopf, steht kurz vor dem Weinen oder weint schon
  3. verweigert: in dieser Phase erreicht man beim Kind nichts mehr, entweder sitzt das Kind einem apatisch gegenüber oder es schreit, weint und wird alles beneinen, beim Kind kommt nichts mehr an, was man sagt

Verweigert das Kind, dann lassen Sie am besten das Kind in Ruhe und wenn es sich beruhigt hat, sprechen Sie mit ihm darüber.

Es kann sein, dass sich das Kind wenig zutraut, ein vermindertes Selbstwertgefühl hat, Angst hat, etwas falsch zu machen, …

Das hilft in meiner Arbeit:

Während meiner Arbeit als Ergotherapeutin hat mir geholfen mich mit dem Kind schon vorher zu besprechen (immer wieder zu Beginn von der Therapieeinheit) und das nur theoretisch. Hier bei ergotipps bekommen Sie die Fragen, die ich den Kindern stelle :

  1. Was passiert, wenn du heute gewinnst? Wie, meinst du, wirst du darauf reagieren?
  2. Was passiert, wenn es Gleichstand steht? Wie wirst du darauf reagieren?
  3. Was passiert, wenn du verlierst? Wie wirst du darauf reagieren? Hier hat zu Beginn das Kind gesagt, dann hört er auf und findet das ganz schlimm, wenn er verliert; an dieser Stelle bespreche ich mit ihm theoretisch, dass wenn, man verliert, nicht schlimm ist, dann kann man beim nächsten mal versuchen, dass man selbst gewinnt, ..

Zuerst hab ich mit der Variante begonnen, dass das Kind gewinnt, hat das, nach Wiederholungen gut geklappt, gehe ich einen Schritt weiter und regel die Spielsituation so, dass es Gleichstand steht, das wird so lang wiederholt, bis es das gut akzeptieren kann. Erst dann, nachdem besprochen worden ist, was passiert, wenn man verliert und das Kind antwortet, dass das nicht schlimm ist und es sich für den anderen freut, kann man zum nächsten Schritt übergehen, dass das Kind verliert. Allerdings dauert dies insgesamt lange, aber es hat bisher immer geholfen.

Auf alle Fälle bestärken Sie immer positiv, loben Sie Ihr Kind!

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  1. 'ne mama Said,

    Ach, wie mich dieser Eintrag beruhigt. Genauso habe ich das mit meinem Sohn gemacht - bis er Ergo verschrieben bekam. Die Ergotherapeutin hatte ein ganz anderes Vorgehen: Spiel spielen. Das Kind mit allen Mitteln dazu bringen, das Spiel zu Ende zu bringen. Das tobende Kind dann in die Bohnenkiste stecken, damit es seinen Frust loswird. Mit dem vorhersagbaren Ergebnis, dass das Kind erst Gesellschaftsspiele komplett verweigert hat und jetzt auch die Ergotherapie. Wenn es also Hoffnung gibt, dass nicht alle Ergotherapeutinnen so brachial vorgehen, kann ich ja in ein paar Monaten mal anfangen, eine andere Praxis zu suchen - ich hätte sonst das Thema Ergo komplett gestrichen.

  2. Christin Said,

    Hallo Mama ;-),

    haben Sie schon die Ursache herausgefunden, warum ihr Sohn verweigert? Hat er vielleicht sogar Ängste?
    Was war der Grund, dass ihr Sohn ein Rezept bekommen hat, also was war die Diagnose?
    Dass in der Ergotherapie “Spiele gespielt” werden, ist eigentlich bei Kindern sinnvoll, denn Kinder lernen schneller und motivierter im Spiel. Gerade auch bei Lernspielen steckt ja viel drin. Oft werden auch diese Dinge verbunden mit etwas aktiven, wie mit einem Abenteuerweg, dass u.a. etwas Abwechslung und auch eine konzentriertere Leistung entsteht.
    Hat ihr Sohn vielleicht Angst zu verlieren und verweigert darum Gesellschaftsspiele? Vielleicht wäre es erstmal sinnvoll, Spiele anzubieten, die er allein machen kann (er ist ein Junge: toll für ihn wäre daher das logische Autostauspiel “Rush Hour”). Wenn er Frust hat, bieten Sie ihm Bewegung an, wo er sich austoben und seine Energie los werden kann (zB Fußball spielen oder einen Boxsack aufhängen).
    Sie kennen sich auch die Stärken von ihrem Sohn, was er ganz toll kann, zB. Handwerk (zB. Holzarbeiten), Bewegung, basteln, räumlich-kostruktive Dinge (Lego bauen, o.ä.). Versuchen Sie also, die Stärken zu nutzen um die Schwächen zu reduzieren! Wenn er zB Interesse in der Holzverarbeitung hat, dann kann man zusammen ein Spiel herstellen, dann macht es gleich viel mehr Spass, das zu spielen. Oder wenn er Lego gerne baut, dann gibt es auch viele Spiele, die solche Elemente enthalten (wie “make n break”). Solche Dinge können Sie der zukünftigen Ergotherapie verraten, so dass ihr Sohn einen leichteren Einstieg wieder findet und der zuständige Therapeut zunächst das Vertrauen des Kindes wieder aufbauen kann, indem er vielleicht Dinge anbietet, die ihr Sohn gut kann. Vertrauen ist eine sehr wichtige Basis - sonst funktioniert es nicht. Möglicherweise ist ein männlicher Therapeut nicht schlecht, das heisst aber nicht, dass die weiblichen Therapeutinnen nicht auch einen guten Draht aufbauen können. Informieren Sie sich und führen Sie ihn ein bisschen mit herran, so dass sie ihn nicht vor vollendete Tatsachen stellen, zT. gibt es Bilder vom team im Internet zu sehen, wo ihr Sohn sich schon mal einen Therapeuten aussuchen kann oder schauen Sie sich die Praxen von außen an, so dass ihr Sohn vielleicht sagen, welche ihm erstmal gut gefällt.

    Also, ich wünsche Ihnen viel Erfolg und noch einen schönen Muttertag!

  3. 'ne mama Said,

    Ja, zum einen will er auf keinen Fall verlieren, zum anderen findet er solche Spiele langweilig - er spielt eigentlich ausschließlich Lego (wobei ihn nicht mal die neuen Lego-Gesellschaftsspiele reizen). Die Ergotherapie bekam er, weil er sich komplett weigerte, einen Stift oder eine Schere in die Hand zu nehmen und die Einschulung anzustehen drohte. Die Stift-Hürde hat die Ergotherapeutin auch super mit ihm überwunden (ich hatte mich da nicht rangetraut, weil ich eine nicht schultaugliche Stifthaltung habe und ihm nichts Falsches beibringen wollte).
    Dann fing sie aber an, mit Blick auf die Schule, “Arbeitsverhalten” mit ihm zu trainieren - das allerdings ohne vorherige Absprache mit uns oder der Kinderärztin. Das eben am Beispiel von Gesellschaftsspielen; ich fand das unglücklich gewählt, was sie aber nicht sonderlich beeindruckt hat. Wenn es um Dinge geht, die ihn interessieren, kann er sich hervorragend konzentrieren und hält auch ewig durch - wenn ihn etwas nicht interessiert, beißt man auf Granit, da hilft eigentlich auch weder loben noch belohnen, da hilft nur eine logische Begründung. “Rush Hour” hat sie auch mit ihm gespielt, und, wie ich im Abschlussgespräch erfahren habe, leider auch mit Lük-Kästen - das ist jetzt alles wie kontaminiert, das rührt er nicht an. Ich denke, da hilft jetzt erstmal nur abwarten.
    Frust über Bewegung loswerden tut er eigentlich nicht. Höchstens durch kleinen-Bruder-hauen, aber ehrlich gesagt wird der Frust dadurch nicht weniger. Fußball geht gar nicht - keiner in der Familie kapiert, wie das geht, und die Jungs sind bei Ballspielen schon völlig überfordert, wenn sie einen Ball hergeben sollen, weil es keine Regel gibt, nach der sie bestimmen können, wann sie den Ball wiederbekommen - zaghafte Versuche sind spätestens bei Schuss Nr. 3 in Kinderzusammenbrüchen geendet. Ich bin ja eher dafür, den Frust so langsam zu steigern, dass er gar nicht erst so heftig wird, dass man ihn loswerden muss - ich hab’ ja auch keine Boxsack im Büro stehen, sondern versuche, darauf zu achten, dass meine Grenzen nicht permanent überschritten werden, damit es gar nicht erst soweit kommt…
    Bin nur beruhigt, dass es auch bei Ergotherapeuten unterschiedliche Ansätze gibt - auch wenn mir schleierhaft ist, wie man einen passenden finden soll ;-)

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